Abnehmende Versorgungsqualität durch Personaleinsparungen

In zahlreichen internationalen Studien wurde ein Zusammenhang zwischen der Anzahl und Qualifikation des Pflegepersonals und der Patientengesundheit festgestellt. „Eine nicht ausreichende Personalbesetzung führt nicht nur zu ‚typischen’ Pflegefehlern, wie beispielsweise Druckgeschwüren, sondern erhöht für Patienten auch das Risiko, dass Komplikationen zu spät erkannt werden und die betroffenen Patienten dadurch dauerhafte Gesundheitsschäden erleiden oder nicht mehr gerettet werden können und an der Komplikation versterben.“ (Simon 2015: 3). Seit Jahren geben Pflegekräfte in der Umfrage „Pflege-Thermometer“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) an, dass sich die Probleme in der Patientenversorgung verschärfen. So gaben über 90% der befragten Pflegekräfte 2015 an, dass sie innerhalb der letzten 7 Arbeitstage eine angemessene Überwachung von demenzkranken Patient/innen nicht sicherstellen konnten (DIP 2014). Ebenso gaben 2012 etwa 50% der Pflegekräfte unter anderem an, dass es in den letzten 7 Tagen Probleme bei der eigenen Händehygiene, notwendigen Körperpflege und Sicherstellung der Nahrungsaufnahme bei Patient/innen gegeben hat. Besonders problematisch scheinen Maßnahmen der emotionalen Unterstützung zu sein, die 89% der Pflegekräfte als regelmäßiges Problem nannten (DIP 2012). Den Ergebnissen zufolge stellen Mängel in der pflegerischen Versorgung nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel dar (DIP 2010).

Besonders drastisch verdeutlichen die Ergebnisse der Studie der Pflegewissenschaftlerin Linda H. Aiken (Center for Health Outcomes and Policy Research at University of Pennsylvania) die Folgen für die Patient/innen: Eine Erhöhung der Arbeitsbelastung einer Pflegekraft um ein/e Patient/in, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer/s stationären Patient/in innerhalb der ersten 30 Tage nach Aufnahme im Krankenhaus zu sterben um 7% (Aiken 2014). Beim Verhältnis von Pflegekräften zu Patient/innen bildet Deutschland im europäischen Vergleich zusammen mit Polen klar das Schlusslicht. Während in Deutschland 2010 eine Pflegefachkraft für 9,9 Patient/innen zuständig war, waren es in England nur 7,3 Patient/innen, 4,8 in den Niederlanden und 3,7 in Norwegen (Aiken et al. 2012, Simon 2015: 40).

Mehr Infos unter: https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/121

(C) 2013 ver.di - Fachbereich Gesundheit & Sozialeszuletzt aktualisiert: 15.08.2017